Vertrauen in Stadt verloren

Mit katastrophalen Zuständen kämpfen die Warnemünder Sportvereine. Viele fühlen sich von der Stadt hingehalten. Sie gehen nun selbst auf Investorensuche.

Warnemünde So richtig sportlich nehmen können die Warnemünder Vereine das Platz- und Hallendesaster im Ort schon lange nicht mehr. In fast jeder Sportstätte des Ostseebades herrscht akuter Handlungsbedarf. Die Halle des Haus des Sports ist marode, die Fußballplätze zu knapp und stark abgenutzt, die Sanitäreinrichtungen in der Parkstraße eine Zumutung. Zugesagte Unterstützung aus dem Rostocker Rathaus blieb bisher aus.

„Wir sind unzufrieden, weil die ganze Situation so ungeklärt ist. Die Stadt muss endlich Farbe bekennen, was sie will“, erklärt Klaus-Dieter Bartsch (53), Nachwuchsabteilungsleiter des SV Warnemünde Fußball. Viele Versprechungen seien im Laufe der Jahre geplatzt, das Vertrauen erschüttert. Den Containertrakt mit den Umkleidekabinen hätten Vereinsmitglieder in unzähligen Arbeitseinsätzen bereits in Eigenregie saniert. Zudem reichten die beiden Rasenplätze vorn und hinten nicht. Immerhin 350 Fußballer und rund 80 Spieler der American Football-Teams müssten die Felder jede Woche zum Trainieren und für ihre Partien nutzen. Viel zu viel für die zwei Rasenflächen. „Wir nutzen beim Training nur den Schotterplatz, damit der Rasen nicht überstrapaziert wird. Allerdings ist das schlecht für das Timing, das in unserem Sport so wichtig ist. Auf Schotter erreichen wir langsamere Laufzeiten“, erklärt Jens Putzien (35), Mannschaftskapitän und Vorstandsmitglied. Immerhin spielen die Football-Herren in der Oberliga und locken am Wochenende bis zu 800 Zuschauer zu ihren Spielen. Der harte Platzuntergrund habe inzwischen auch gesundheitliche Auswirkungen. Allmählichkeitsschäden in den Fußgelenken, nennt Putzien diese. „Unsere Physiotherapeuten haben immer gut zu tun“, sagt er sarkastisch. Ideal für alle Beteiligten wäre Kunstrasen. Der werde den Vereinen schon seit Ewigkeiten versprochen. „Eine endlose Geschichte.“ Das Sportstättenkonzept der Hansestadt sollte bereits im Dezember der Bürgerschaft vorgelegt werden. „Man hat uns bisher nur gesagt, dass in diesem Jahr kein Geld mehr fließt. Wir versuchen inzwischen eigene Weg zu gehen und Investoren für das Projekt zu finden“, berichtet Uwe Böhnstedt aus der Geschäftsstelle des Warnemünder Fußballvereins. Hinhalte-Taktiken nennt er das Vorgehen der Stadt. Diese säße das Problem aus, während die Vereine am Ende der Kapazitäten angelangt seien. Er geht davon aus, dass in einiger Zeit zusätzlich die Kicker der HSG Warnemünde aufgenommen werden müssen, da diese ihren Rasen durch den Verkauf der Fläche verlieren. In der Stadtverwaltung ist das Konzept mittlerweile seit rund drei Quartalen „in Arbeit“. Der Oberbürgermeister hat in dem vom zuständigen Senatsbereich vorgelegten Papier mehrfach Änderungen vorgenommen, informierte gestern eine Rathaussprecherin. Es sei davon auszugehen, dass das Konzept in Kürze abgeschlossen sein wird. Von einer möglichen Beschlussvorlage an die Bürgerschaft „noch in diesem Sommer“ geht Martin Meyer, stellvertretender Leiter des Amtes für Schule und Soziales, aus. Senatorin Liane Melzer hatte jüngst dem Warnemünder Ortsbeirat mitgeteilt, dass im nächsten Jahr mit den geplanten Kunstrasenfeldern begonnen werde. Bis 2013 sollen diese und ein neues Vereinshaus fertig sein.

Beim 1200 Mitglieder starken SV Warnemünde hofft man indes auf ein endgültiges Konzept. „Das Ganze ist etwas vage, aber immerhin hat die Stadt sich dazu bekannt“, meint Klaus Hielscher (71), stellvertretender Vereinschef. Ihm bereitet vor allem das Hallenproblem immer noch Kopfzerbrechen. „Es gibt keine genauen Vorstellungen über eine Ersatzlösung für unsere Sporthalle“, sagt er. Länger als zwei oder drei Jahre ließe es sich im Haus des Sports nicht mehr aushalten. Die Volley- und Handballer wichen schon nach Groß Klein aus. Hielscher fordert: „Es muss in Kürze eine Lösung her.“

VIRGINIE WOLFRAM
Quelle: Ostsee Zeitung

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