Segeln

Eine Tradition: Die Warnemünder Woche

Die erste Warnemünder Woche 1926 war kein reines Produkt des Warnemünder Segel-Clubs, wie man vielleicht annehmen könnte. Sagen wir es aber einmal so: Vieles organisierte der WSC einfach deshalb, weil die Regattawoche in Warnemünde stattfand. Dabei half sehr tatkräftig der Rostocker Yachtclub, der Großherzoglich Mecklenburgische Yachtclub, der Akademische Segler-Verein zu Rostock und interessanterweise auch der Kieler Yacht-Club. Es war keine große Armada, die damals zusammen kam, um Wettfahrten auf der Ostsee zu segeln. Es ging auch alles ruhig und gemütlich zu. Der Begrüßungsabend fand im „Reichshof“ statt. Nach der Regatta lagen die Yachten am Westufer des alten Stromes und die Crews musizierten oder tranken einen, oder auch zwei, Becher Rum.

Die Preise und Pokale stifteten verschiedene Kaufleute, Unternehmer und die Warnemünder Badeverwaltung. Pikanterweise stifteten auch die Damen des Warnemünder Segelclubs selbstgefertigte Preise. Ob es sich nun um handgestrickte Wollstrümpfe oder Pudelmützen handelte, ist leider nicht überliefert. Jedenfalls gab es damals keine kritischen Stimmen. Die Regattadreieckskurse lagen unmittelbar vor Warnemünde. Gestartet wurde vom Westmolenkopf. Insgesamt nahmen 47 Yachten an der ersten Warnemünder Woche 1926 teil. Für die Siegerehrungen hatte sich das Organisationskomitee den Festsaal des Hotel Stralendorf, das spätere Promenaden Hotel, ausgesucht.

Von der vierten Warnemünder Woche 1929 liegt uns ein Bericht der Fachzeitschrift „Yacht“ vor, in der von der kameradschaftlichen Art der Warnemünder Segler berichtet wird. Montag der 8. Juli war extra von Regatten frei gehalten worden, um den Teilnehmern am gesellschaftlichen Geschehen des Warnemünder Segel Clubs teilhaben zu lassen. Denn am Abend um 18 Uhr wurde das neuerrichtete Clubhaus des WSC eingeweiht. Dazu hatten alle Yachten am alten Strom über die Toppen geflaggt. Die Festrede hielt Amtmann und WSC-Vorsitzender Schröder. Die Rede endete mit dem Hausspruch:

„Steh Bootshaus steh!
Markzeichen zwischen Warnow und See
Sei dem frei-frohen Segelsport
Herberg’, Zuflucht und Sammelort!
Dem Freundeskreis offen steht Tür und Tor.
Gott möge Schutz gedeihen lassen,
dem Bau, den Gästen, den heimischen Sassen
Zu Ehre und Ruhm des WSC
Steh Bootshaus, steh!“

Viele Gratulanten kamen zu diesem Abend. Als Vertreter des Kaiserlichen Yachtclubs Kiel hielt Kapitän Leutnant a.D. Siegmund eine mit herzlichen Worten gespickte Ansprache. Aus Lübeck und Rostock gratulierten die Segelvereinsvorsitzenden. Auch die Rostocker Stadtbehörden entsandten Abgeordnete zum Warnemünder Segel Club.
Ein vorzügliches Plusterschinken-Essen und ein Tanzkränzchen hielt die Teilnehmer am Eröffnungsabend noch viele Stunden im Klubhaus.

Die nächsten Regattatage waren von Sturm gekennzeichnet. In der Presse war vom „Sturm gröbsten Kalibers“ die Rede. Kleine Yachten segelten ihre Regatta daher auf der Warnow. Am Ende der 4. Warnemünder Woche wurde zum ersten Mal die Bäderregatta nach Brunshaupten und Arendsee gesegelt. Heute sind die Orte zusammengelegt. Aus ihnen entstand Kühlungsborn. Dabei ging es dicht an den Seebädern Nienhagen und Heiligendamm vorbei. 1991 wurde die Bäderregatta Warnemünde Kühlungsborn erneut aus der Taufe gehoben. Sie gilt heute unter den Kreuzerteams als eine äußerst beliebte Seeregatta der Warnemünder Woche. Übrigens wird seit 1991um ein Fass Sherry für die schnellste Yacht des Kurses gesegelt.

Zur Warnemünder Woche 1936 gab es eine Zubringerregatta von Travemünde nach Warnemünde. Elf Seekreuzer beteiligten sich an dem Rennen. Die Yachten kamen aus den Seefliegerschulen Warnemünde und Stettin, von der deutschen Kriegsmarine, vom Norddeutschen Regatta Verein, vom Fliegerhorst Parow und von den Deutschen Werken Kiel. Bemerkenswert an dieser Zubringerregatta ist die große Anzahl von 18 Pokalen. Zu den Stiftern dieser Pokale gehörte unter anderen auch der Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel, die Seestadt Rostock und der Kommandeur der Seefliegerschule Warnemünde auf der Hohen Düne. Vorsitzender des WSC war damals Gustav Garbe, der sich nach den Richtlinien der Nazis nicht Vorsitzender nennen durfte, sondern „Führer“. Welch Irrsinn in jener Zeit vor 70 Jahren.

Für Ende Juli 1938 war von Warnemünde aus eine Ostseeregatta ausgeschrieben. 110 Hochseeyachten aus dem Ostseeraum meldeten zu dieser Regatta. Sie führte von Warnemünde zum Gedser Feuerschiff, weiter zum Adlergrund, links um die Insel Bornholm einschließlich der kleinen Insel Christiansöe, um Feuerschiff Falsterbo Reff, wieder zurück ums Gedser Feuerschiff und weiter nach Kiel als Zielhafen. Die Regattaleitung hatte sich in der Warnemünder Vogtei etabliert. Zum Westmolenkopf wurde eigens eine Telefonleitung gelegt. Alle Yachten wurden mit dem Flaggensignal „Herzlich willkommen“ schon am Westmolenkopf begrüßt. Für die Skipper fand ein Empfang beim Rostocker Oberbürgermeister statt. Gesellschaftlicher Treffpunkt der Crews war das Klubhaus des Warnemünder Segel Clubs auf der Mittelmole. Eine kleine Flottenschau der Kriegsmarine gab es am Neuen Strom. Schnell- und Torpedoboote sowie das Mutterschiff „Tsingtau“ und die Staatsyacht „Aviso Grille“ hatten am Wendebecken festgemacht.

1939 fand die vorerst letzte Warnemünder Woche statt. Schon damals ahnten die Aktiven, dass diese Warnemünder Woche wohl die letzte war. Der Krieg setzte dem Segeln auf der Ostsee ein Ende. Die Mecklenburger Bucht wurde vermint. Während des Krieges konnten noch einige lokale Wettfahrten auf der Warnow und dem Breitling ausgetragen werden.

Bei Kriegsende 1945 gab es in Warnemünde keinen Segelsport mehr. Die erste und gleichzeitig letzte Yacht, die 1945 noch ins Wasser gesetzt wurde, war ein kleiner Küstenkreuzer vom Autounternehmen Hermann Gustav Lehmann. Damit wollte die Familie in letzter Minute vor den Sowjets in den Westen flüchten. Doch das Schicksal wollte es anders: Wahrscheinlich klauten deutsche Matrosen das Boot samt Fluchtinventar und verschwanden. Den Krieg überstanden in Warnemünde nur die Yachten von Bäckermeister Ewert, von Bäckermeister Böckenhauer und von Rangiermeister Fiete Zerck. Auch Bootsbauer Addi Schütt konnte sein Sharpie so gut verstecken, dass es die Russen nicht fanden.

4 Antworten auf „Segeln“

  1. hallo zusammen,

    schöne, sachliche chronik! ich möchte um eine kleine korrektur bitten.

    „Die erste und gleichzeitig letzte Yacht, die 1945 noch ins Wasser gesetzt wurde, war ein kleiner Küstenkreuzer vom Autounternehmen Hermann Lehmann“

    dieses autounternehmen hieß zu der zeit noch Gustav Lehmann und das noch mindestens bis mitte der 70iger jahre. alles andere zu diesem abschitt ist auch mir als enkel gustav lehmanns und neffe hermann lehmanns, der später dann das autounternehmen als taxiunternehmen weiterführte, so bekannt

    1. hallo martin,

      vielen dank für die freundliche reaktion und allen warnemünder seglern wünsche ich: immer eine hand breit wasser unterm kiel!

      mfg

      guido weiland

  2. Mit Interesse habe ich die Chronik gelesen. Viele der Namen, der erwähnten Personen sind mir aus den Erzählungen meines Vaters Anton Hansmann bekannt. Er war vor dem 2. Weltkrieg Mitglied im Klub und wohl auch noch kurze Zeit danach. Aus seinen Erzählungen weiß ich einiges über diesen Segelklub und bin als ganz kleines Kind auch noch mit beim Kater gewesen. Irgendwann Ende der vierziger oder Anfang der fünfziger Jahre ist er zu dritt unter anderem mit August Müller mit dem Segelboot geflohen. Die dritte Person ist mir nicht mehr bekannt. Ich selbst wohne in Eckernförde und bin Mitglied im ESC – Eckernförde und bin am und zu mit dem Boot im schönen Warnemünde. Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an meinen Vater, der 2005 verstorben ist.

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